Etwa hun­dert Hei­mat­mu­se­en und  -archi­ve in Deutsch­land, Öster­reich , Böh­men, Mäh­ren und Schle­si­en betreu­en Kul­tur­gü­ter der Ver­trie­be­nen. 42 Trä­ger, Lei­ter und Betreu­er der »Arbeits­ge­mein­schaft für kul­tu­rel­le Hei­mat­samm­lun­gen (ArGe)«  tra­fen sich  vom 18. bis 20. 09. 2015  im »ver­di-Bil­dungs­zen­trum« www.haus-brannenburg.de zu Vor­trä­gen, Gesprä­chen und zur Fort­bil­dung unter dem Mot­to »Aspek­te der Wirt­schafts­ge­schich­te Böh­mens und Mäh­rens«. Mei­ne Frau Han­na und ich ver­tra­ten die »Samm­lung Now­eya­na«.

Dr. Rai­mund Palec­zek refe­rier­te über die regio­na­le Wirt­schafts­ent­wick­lung in den  böh­mi­schen Län­dern. Exem­pla­risch beschrieb er die Öko­no­mie­be­rei­che Glas, Holz, Koh­le, Tex­ti­li­en und Lebens­mit­tel­er­zeu­gung. Das Bäder­drei­eck im Eger­land und der Musik­in­stru­men­ten­bau im Erz­ge­bir­ge waren welt­be­rühmt. Das »Pils­ner Ško­da-Werk« war weg­wei­send für die Indus­tria­li­sie­rung. »Pils­ner Bier« war inter­na­tio­nal geschätzt und erfährt in der »Welt­kul­tur­haupt­stadt 2015« wie­der­um gestei­ger­te Bedeu­tung.

Ver­trie­be­ne hin­ter­lie­ßen her­vor­ra­gen­de Fabri­ken, Betriebs­an­la­gen und Maschi­nen – tech­ni­sches und wirt­schaft­li­ches Know-how haben sie in ihren Köp­fen zum Auf­bau einer »zwei­ten Hei­mat« mit­ge­nom­men.

Ani­ta Zwick­nagl, M.A., Muse­ums­lei­te­rin der Stadt Gerets­ried in Ober­bay­ern, berich­te­te über »Fleiß und Impro­vi­sa­ti­ons­ta­lent ver­trie­be­ner Eger­län­der« aus Gras­litz, Tach­au und Karls­bad, die in  »bom­bar­dier­ten Bun­ker­an­la­gen« sozio­öko­no­mi­sche und kul­tu­rel­le Initia­ti­ven ent­wi­ckel­ten und bereits 1950 die Gemein­de Gerets­ried grün­de­ten.  In der seit 1970 wirt­schafts­star­ken Stadt Gerets­ried wer­den auch »mit­ge­brach­te Tra­di­tio­nen und Bräu­che« gepflegt, wie Doku­men­te bei einem Besuch des Stadt­mu­se­ums  ver­an­schau­lich­ten.

Die His­to­ri­ke­rin Ingrid Sau­er M.A. betreut im Baye­ri­schen Haup­staats­ar­chiv in Mün­chen  »Schrift­gut­samm­lun­gen«, auch die »Now­eya­na«. Sie refe­rier­te über »Quel­len zur Wirt­schafts­ge­schich­te im Sude­ten­deut­schen Archiv«. Eine »schier uner­schöpf­li­che Fund­gru­be« war­te auf eine wis­sen­schaft­li­che Auf­ar­bei­tung. Modell­haft wur­de dies für die Öko­no­mie­bran­chen Glas­in­dus­trie, Schuh­fa­bri­ka­ti­on und Braue­rei­we­sen demons­triert.

Zur »Wirt­schafts­ge­schich­te« prä­sen­tier­te ich Publi­ka­tio­nen aus der »Schrift­gut­samm­lung Now­eya­na« und Doku­men­ta­tio­nen aus der »Sach­gut­samm­lung Now­ey« mit Blick auf die grenz­über­schrei­ten­de »Bil­dungs­re­gi­on Eure­gio Egren­sis  inmit­ten Euro­pas«:

Mein Vater Josef Now­ey arbei­te­te von 1928 bis 1936 in den Pre­mier­wer­ken Eger als Werk­zeug­schlos­ser und zuletzt als Kon­trol­ler. Von 1937 bis 1943 selb­stän­dig in eige­ner Werk­stät­te in Neu­bäu. Mit mei­nem »Pre­mier-Jugend­rad« fuhr ich von 1938 bis 1941 in die sie­ben Kilo­me­ter ent­fern­te Bür­ger­schu­le nach Wei­ßen­sulz und als Spät­heim­keh­rer seit 1950 bis heu­te durch das »Wit­tels­bach­er­land«.

An der Wirt­schafts­fa­kul­tät Cheb/Eger Initi­ier­te ich 1994 das Sym­po­si­um: »Bil­dungs­re­gi­on Eure­gio Egren­sis«, das auch sozio­öko­no­mi­sche Bedin­gungs­fak­to­ren des Bil­dungs­ver­hal­tens erar­bei­te­te.

Die klein­räum­li­che Wirt­schafts­struk­tur des Eger­lan­des bot vie­le beruf­li­che Mög­lich­kei­ten, in der Land- und Forst­wirt­schaft, im Gewer­be und in Fabri­ken. Im  »Bäder­drei­eck« arbei­te­ten vie­le Eger­län­der. Grenz­über­schrei­tend waren in der Ober­pfalz vie­le Bau­ar­bei­ter tätig. Mein Groß­va­ter  arbei­te­te in Nab­burg und mei­ne Groß­mut­ter ver­kauf­te Klöp­pel­spit­zen in das »Schön­se­er Land«.

Die Grün­dungs­be­auf­trag­te des »Sude­ten­deut­schen Muse­ums« Dr. Eli­sa­beth Fendl  erklär­te, wie Wirt­schafts­ge­schich­te des Sude­ten­lan­des bran­chen­spe­zi­fisch jeweils am Bei­spiel einer Regi­on muse­al auf­ge­zeigt wird, etwa »Berg­bau im Erz­ge­bir­ge« oder »Kur­or­te im Bäder­drei­eck des Eger­lan­des«. Indus­trie­ge­schich­te wer­de auch durch his­to­ri­sche Aus­stel­lun­gen auf regio­na­len und inter­na­tio­na­len Mes­sen prä­sen­tiert.

Frau  Her­dis Kley vom »Insti­tut für Muse­ums­for­schung Ber­lin« stell­te die »Deut­sche Digi­ta­le Biblio­thek DDB«  als  »eine wei­te­re  Prä­sen­ta­ti­ons­platt­form für Hei­mat­samm­lun­gen«  vor.

Muse­ums-, Archiv- und Biblio­theks­be­stän­de sind aus einem ver­netz­ten »Inter­net-Forum« unter www.deutsche-digitale-bibliothek.de online abruf­bar. 2305 Kul­tur- und Wis­sen­schafts­in­sti­tu­tio­nen sind gegen­wär­tig betei­ligt. Ten­denz stei­gend. Die Deut­sche Natio­nal­bi­blio­thek (DNB) ist Koor­di­na­tor des »Kom­pe­tenz­netz­wer­kes«, in das auch die Baye­ri­sche Staats­bi­blio­thek (BSB) inte­griert ist.

Daher sind – unter ande­rem – im  »DNB-Kata­log«: 85 Bücher, im »BSB-Ver­bund­ka­ta­log«: 272 Bücher der »Now­eya­na-Lite­ra­tur« regis­triert. Somit  ist auch die »Schrift­gut­samm­lung Now­eya­na« über die »Deut­sche Digi­ta­le Biblio­thek DDB« zugäng­lich.