Aus dem Buch / E-Book: „Jugend zwi­schen Krieg und Frie­den“:
Es weih­nach­tet im Böh­mer­wald:

Gedich­te  und  Erzäh­lun­gen über Weih­nachts­bräu­che, Kirch­gän­ge und »Christ­baum­ho­len«. Als elf­jäh­ri­ger Böh­mer­wald­bub hol­te ich aus dem Wald an der »Neu­bäu­er Höhe« einen Christ­baum. Ein scheu­es Reh äug­te aus dem Gebüsch mir nach, als wollt‘ es Abschied neh­men  von dem Fich­ten­bäum­chen, das unter’m Arm ich heim­wärts trug. Es däm­mer­te schon,  die ers­ten Ster­ne leuch­te­ten  her­nie­der, vom Dor­fe her klang die Abend­glo­cke …  »s’ist  Weih­nacht!«

Ein »Papst­christ­baum« aus mei­ner böh­mi­schen Hei­mat

Ent­lang der baye­risch-böh­mi­schen Gren­ze reicht der bewal­de­te Gebirgs­zug von der »Neu­bäu­er Höhe«, über den »Hirsch­stein / Starỳ Herš­te­jn« bis zum »Schwarz­kopf / Čer­chov«, auch »Schwarz­kop­pe« genannt, einst  auch ein Schul­wan­der­weg für Neu­bäu­er Volks­schü­ler. Aus dem »unter­ge­gan­ge­nen Glas­hüt­ten­dorf  Fich­ten­bach / Bystřice am Čer­chov« stammt der »Papst­christ­baum 2013« in Rom. Die sech­zig­jäh­ri­ge 25 Meter hohe Fich­te wur­de von Papst Bene­dikt bestellt und von »Wald­mün­che­ner Pan­d­uren« an Papst Fran­zis­kus auf dem Peters­platz über­reicht.

Der gleich­al­te­ri­ge Joseph Ratzin­ger stu­dier­te auf dem Frei­sin­ger Dom­berg Theo­lo­gie und ich Päd­ago­gik. Dort erleb­te ich nach fünf­jäh­ri­ger rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft 1950 den »ers­ten Advent unter baye­ri­schen Christ­bäu­men« und in der Oster­zeit 1951 auch die Pries­ter­wei­he des »künf­ti­gen baye­ri­schen Paps­tes«.

Ein »baye­ri­scher Baum mit böh­mi­schen Wur­zeln« aus der Mit­te Euro­pas! Das bai­ri­sche Fich­ten­bach kam 1702 zu Böh­men und wur­de  nach dem Zwei­ten Welt­krieg Grenz­ka­ser­ne Bystřice. Im »Kal­ten Krieg« über­wach­te neben dem »Schwarz­kopf-Kurz-Turm« ein Fern­mel­de­turm auf dem Čer­chov  auch den Eiser­nen Vor­hang im grenz­na­hen Rad­busa­tal.  Auf  Fern­mel­de­tür­men  »spio­nier­ten elek­tro­nisch« Ame­ri­ka­ner vom baye­ri­schen »Hohen Bogen« aus und Rus­sen vom  böh­mi­schen Plat­ten­berg / Vel­ký Zvon und vom Dyleň bei Eger aus. Mein Geburts­ort  Neu­bäu lag im Sperr­ge­biet (in der »Todes­zo­ne«) und wur­de nie­der­ge­ris­sen: Auf dem »Fried­hof  des Vater­hau­ses , der Schu­le und der Kir­che« wächst der »Böh­mi­sche Wald  / Čes­kỳ les« , auch mit jun­gen Christ­bäu­men!  Nach­denk­lich  fei­er­te fort­an  mei­ne ver­trie­be­ne Fami­lie Weih­nach­ten  in  Mer­ching im »Wit­tels­bach­er­land« und ich ver­misst im Kau­ka­sus.

Der Arti­kel  »Papst­baum stammt gar nicht aus Bay­ern « erschie­nen am 6. Dezem­ber 2013 in der Fried­ber­ger All­ge­mei­ne (www.augsburger-allgemeine.de).

 

Kriegs­ge­fan­ge­nen­weih­nach­ten im Kau­ka­sus

Kriegs­ge­fan­ge­nen­jah­re zähl­ten nach Weih­nach­ten. In Bara­cken las ich Weih­nachts­ge­dich­te, auf Zement­sack­pa­pier nie­der­ge­schrie­ben. Von 1945 bis 1949 erleb­te ich  also fünf Weih­nach­ten im Kau­ka­sus hin­ter Sta­chel­draht­zäu­nen. In sehn­sucht­vol­len Ver­sen war ich  im Geis­te bei mei­ner Fami­lie unter dem Weih­nachts­baum daheim. End­lich, am 4. Janu­ar 1950 emp­fin­gen mich mei­ne Ange­hö­ri­gen in der Mer­chin­ger Ver­trie­be­nen­stu­be »unter dem Weih­nachts­baum« als Spät­heim­keh­rer.

 

Mit Enkeln unter­wegs durch eine  grenz­über­schrei­ten­de Bil­dungs­re­gi­on

Vom Čer­chov her­ab, über Nepo­muk und Höll wur­de der »Papst­christ­baum« nach Wald­mün­chen gebracht. Auch vom Regens­bur­ger Bischof  Dr.Rudolf Voder­hol­zer, aus Kladrau stam­mend, geseg­net, kün­det er in der Weih­nachts­zeit 2013 im Vati­kan auch von einer »grenz­über­schrei­ten­den Bil­dungs­re­gi­on  inmit­ten Euro­pas«.  Die­ses baye­risch-böh­mi­sche Grenz­ge­biet besu­che ich jähr­lich mit mei­nen Enkeln.

Nach­wort zur 2. Auf­la­ge: »Mit Enkeln unter­wegs durch baye­ri­sche und böh­mi­sche Bil­dungs­re­gio­nen«.

2013 waren wir im Hei­mat­kreis Bischöfteinitz/Horšovský Týn, jetzt im Kreis Taus/Domažlice inte­griert, unter­wegs: sie­he Aktu­el­les vom 18.08.2013. Ein­mal fuh­ren wir im Klein­bus über Wald­mün­chen auch zum Park­platz Nepo­muk , wan­der­ten zum »Schwarz­kopf« und über­blick­ten die »Schwarz­kop­fer Wäl­der« bis zur »Neu­bäu­er Höhe«.

Bil­der­ga­le­rie:

Der »Papst­christ­baum aus dem Böh­mi­schen Wald / Čes­ký les«  wuchs 45 Jah­re in der »Todes­zo­ne des Eiser­nen Vor­han­ges« auf und ver­heißt 2013 auf dem Peters­platz in Rom Ver­söh­nung und Frie­den für die Welt. Er  bewirkt auch eine euro­pa­päd­ago­gi­sche Auf­ga­be.

Fro­he Weih­nach­ten und Frie­den den Men­schen, die guten Wil­lens sind!